KI in der Designlehre: zwischen Werkzeug, Verständnis und Verantwortung
KI verändert Werkzeuge, nicht den Kern von Gestaltung
Künstliche Intelligenz ist längst Teil vieler gestalterischer Arbeitsprozesse. Sie generiert Bilder, strukturiert Informationen, vereinfacht Arbeitsschritte, unterstützt Recherchen oder hilft dabei, erste Ideen sichtbar zu machen. Damit verändert sie nicht nur Werkzeuge, sondern auch die Prozesse und vor allem das Tempo, unter denen digitale Gestaltung entsteht.
Deswegen braucht gute Gestaltung mehr als je zuvor Verständnis für Menschen, Kontexte und Zusammenhänge sowie die Fähigkeit, Entscheidungen begründen und ihre gestalterischen Auswirkungen einschätzen zu können.
Zwischen Technologie und Verantwortung
Die Diskussion um KI betrifft nicht nur neue Technologien. Sie berührt grundlegende Fragen darüber, wie digitale Systeme entstehen, wie Menschen mit ihnen interagieren und welche Verantwortung Designer dabei übernehmen, um eine gute Nutzerführung zu gewähren. Für die Lehre im Master Digital Design bedeutet das, technologische Entwicklungen zu verstehen, kritisch einzuordnen und gestalterisch zu nutzen. KI ist dabei weder Bedrohung noch Lösung, sondern Anlass, grundlegende Fragen guter Gestaltung neu zu stellen.
Gestaltung braucht Urteilskraft
Für Prof. Bettina Tabel gehört die Auseinandersetzung mit KI heute selbstverständlich zur Designlehre. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Beherrschung einzelner Werkzeuge, sondern die Frage, wie technologische Entwicklungen verstanden und gestalterisch eingeordnet werden können.
„Künstliche Intelligenz verändert Werkzeuge und Prozesse. KI ist längst kein Sonderthema mehr, sie ist Teil des Lehralltags. Für die Designlehre bedeutet das aber auch, technologische Entwicklungen nicht nur anzuwenden, sondern sie auch zu verstehen, sie kritisch einzuordnen und verantwortungsvoll damit umzugehen. Unser Ziel ist es, Studierende zu befähigen, digitale Systeme aktiv mitzugestalten, neu zu denken und nicht ihnen lediglich zu folgen. An einigen Stellen wird behauptet, KI schaffe Designer ab. Das Gegenteil ist der Fall, wenn man sich auf die Veränderung der Arbeitsrealität einlässt*. Fundierte Designausbildung gewinnt so im Zeitalter von KI eher an Bedeutung. Die KI ist nicht kreativ, der Designer ist der „Mutationsfaktor“ um außerhalb des Bestehenden neue Dinge entstehen zu lassen."
Prof. Bettina Tabel, Studiendekanin Digital Design
*Quelle: IAB-Forschungsbericht 23/2025 (Zika et al.). Die Studie prognostiziert für die Design- und Medienbranche einen tiefgreifenden Wandel der Tätigkeitsprofile durch generative KI. KI wird in kreativen Berufen nicht nur als Ersatz, sondern primär als Werkzeug zur Qualitätsverbesserung wahrgenommen. Die positivsten Arbeitsmarkteffekte entstehen durch die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen. Abrufbar unter: https://doku.iab.de/forschungsbericht/2025/fb2325.pdf